Flores-Erlebnisse Farbige Kraterseen, traditionelle Dörfer, Komodowarane
Flores zählt zu den faszinierendsten Inseln Indonesiens – eine Welt aus uralten Traditionen, atemberaubenden Vulkanlandschaften und einer Spiritualität, die im Alltag spürbar ist. Eine Reise hierher ist weit mehr als ein Urlaub: Sie wird zur persönlichen Entdeckung fernab der ausgetretenen Pfade.
Flores entdecken: Vom Kelimutu bis zu den Komodowaranen
Eine Reise voller Kontraste – zwischen mystischen Seen, traditionellen Dörfern und der ursprünglichen Wildnis der Komodo-Inseln.
In diesem Artikel erfährst du:
🌋 Wie ein Vulkan mit drei Farben die Sinne berauscht
🐉 Wo die letzten Drachen der Erde leben
🏘️ Welche Rituale in den Hochlanddörfern bis heute gelebt werden
🧭 Wie eine Reise zu den Wurzeln der eigenen Familie wird
Für wen ist dieser Artikel?
- 🌏 Reisende, die authentische Begegnungen über touristische Standarderlebnisse stellen
- 🏔️ Natur- und Kulturliebhaber, die abseits der Massen unterwegs sein wollen
- 👨👩👧 Familien, die gemeinsam eine tiefgreifende Reise voller Geschichten suchen
- ✈️ Individualisten, die Asien abseits von Bali oder Thailand entdecken möchten
„Papa, wir fahren nach Flores und besuchen Onkel Heinz“, sagte Yvonne und musste mich nicht lange überreden. Mein Bruder Heinz lebt und arbeitet seit fast fünf Jahrzehnten als Pater in der Missionsstation im Ort Ende. So begann meine erste Asienreise – vierzehn Tage, die sich in ein Kaleidoskop unerwarteter Momente verwandeln sollten.
Zielflughafen war Maumere, eine kleine Hafenstadt an der Nordküste. Im empfehlenswerten Sea World Club fanden wir eine Oase der Ruhe, um den Jetlag abzuschütteln. Dann folgte eine fünfstündige Taxifahrt von Maumere nach Ende – Luftlinie kaum eine Strecke, aber über Schotterpisten, durch tiefe Kurven, vorbei an Kaffee- und Kakaobohnen, die auf Planen in der Sonne trockneten. Wilder, romantischer konnte der Einstieg in diese Insel kaum sein.
Begegnungen, die unter die Haut gehen
Während eines kurzen Zwischenstopps kamen Kinder angelaufen, wollten fotografiert werden, dann auch die Eltern. Viele Posen, viel Lachen, als sie die Bilder auf dem Display betrachteten. Ein Moment der puren Freude, der die Sprachbarriere einfach verschwinden ließ. Ankunft in der Missionsstation Ende: Eine große Druckerei, Computerübungsräume für Schüler – ich hätte mir die Station nicht so als Bildungszentrum vorgestellt. Heinz‘ Lebenswerk bekam auf einmal ein Gesicht.
Das Farbwunder des Kelimutu – Ein Highlight, das unvergesslich bleibt. Pater Peter Tukan fuhr mit uns zum Vulkan. Aufbruch morgens um 4 Uhr. Der Kelimutu liegt auf 1700 Metern Höhe. Von einem Aussichtspunkt blickt man auf drei Kraterseen mit hunderten Metern Durchmesser. Das Wasser: im einen See kohlpechrabenschwarz, im anderen milchig-hell-türkis, der dritte rostrotbraun. Der zweite und dritte See sind nur durch eine schmale Felswand getrennt. Bei aufgehender Sonne, als sich die Nebelbänke langsam verzogen, wurde der Anblick schier überwältigend – eine Stille, die Ehrfurcht erzeugt.
Von Ende aus ging es weiter nach Bajawa, auf 1000 Meter Höhe gelegen. Dort wurde gerade der Flores Fußball Cup ausgespielt. Im Hotel kamen wir mit einheimischen Spielern ins Gespräch. Großes Interesse am deutschen Fußball: Bayern München, Hamburg, und – wir staunten – Hannover 96! Den Hintergrund für diese Bewunderung erfuhren wir nie. Vielleicht war einmal ein Tourist aus Hannover hier.
Ein Kompliment an Yvonne: „Du hast eine wunderschöne Nase.“ – „Warum?“ – „Damit kannst du eine große Sonnenbrille tragen. Flores-Mädchen haben zu kleine Nasen dafür!“ Wir lachten. Solche Dialoge machen die Reise reich.
Mit dem einheimischen Reiseführer Maximilian, Fahrer Otto und Beifahrer Günter – alle katholisch getauft, daher die ungewöhnlichen Namen – machten wir einen Tagesausflug zu den traditionellen Dörfern Luba und Bena. Das sind Runddörfer mit strohgedeckten Häusern auf Bambuspfählen. In den Hauseingängen saßen Frauen und Kinder bei der traditionellen Ikat-Weberei. Auf dem Dorfplatz trockneten Kaffee, Kakaobohnen und Nelken. In der Mitte standen zwei Reihen kleiner Hütten für rituelle Zeremonien der Clans. Daneben christliche Grabstätten – ein lebendiges Bild des kulturellen Synkretismus. Bena ist größer, wird häufiger von Touristen besucht, aber Luba bewahrt eine ursprünglichere Seele.
Obwohl es bereits 18 Uhr war, wollte Maximilian uns noch unbedingt zu den heißen Quellen von Soa führen. Als wir ankamen, war es stockdunkel. Gott sei Dank hatte ich eine kleine LED-Taschenlampe dabei. So konnten wir wenigstens sehen, wo wir in dem Quellfluss hintraten. Spannung und viel Spaß – ein improvisiertes Abenteuer.
Am nächsten Tag: zehn Stunden Busfahrt nach Labuanbajo. Bei einem Zwischenstopp wurden wir von Kindern umringt: „Where do you come from?“ – „From Germany!“ – „Ahh, Ballack, Ballack, Bayern München!“ Dann folgten Fragen auf Indonesisch, die wir nicht verstanden. Machte nichts. Alle lachten. Diese unbeschwerten Begegnungen sind es, die eine Reise wirklich unvergesslich machen.
Von Labuanbajo starteten wir zu einem Tagesausflug in den Nationalpark auf der Insel Rinca. Dort leben Komodowarane, die sogar Wasserbüffel jagen. Yvonne war skeptisch, aber nach einigem Zureden nahm sie an der Führung teil. Wir sahen viele dösende Warane – drei Stunden Spannung und Gänsehaut bei brütender Hitze. Am Ende sagte sie: „Gut, dass ich mitgegangen bin. Es war super.“
🌋 Farbwunder Kelimutu
Drei Kraterseen in Schwarz, Türkis und Rostrot – ein atemberaubendes Naturschauspiel, das besonders bei Sonnenaufgang magisch wirkt.
🐉 Komodowarane hautnah
Im Nationalpark Rinca begegnen Sie den größten Echsen der Welt – ein Adrenalinkick, der sich lohnt.
🏘️ Traditionelle Dörfer
Luba und Bena zeigen das ursprüngliche Leben Flores’ – Ikat-Weberei, Ahnenkulte und christliche Traditionen vereint.
📍 Station Ende
Die Missionsstation ist mehr als ein religiöser Ort – sie ist ein Bildungszentrum und Ausgangspunkt für viele Touren.
Bei diesem vierzehntägigen Aufenthalt haben wir viel Unerwartetes, Spannendes und Schönes erlebt. Ich werde wieder hinfliegen, auch wenn der eigentliche Grund unseres Besuches nicht mehr lebt – mein Bruder Heinz. Aber Flores selbst ist zu einem Ort geworden, der mich immer wieder ruft.
Zum Schluss
Flores ist kein Reiseziel im herkömmlichen Sinne. Es ist ein Ort, an dem man sich selbst neu begegnet – in der Stille über den Kraterseen, im Lachen der Kinder, in der Wärme einer indonesischen Familie. Wer sich darauf einlässt, findet mehr als nur ein Abenteuer. Er findet eine zweite Heimat.
Autor: Alfred Neuhaus, Leichlingen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
🌍 Wie komme ich nach Flores?
Die meisten Reisenden fliegen über Jakarta oder Bali bis Maumere (Flughafen Frans Xavier Seda) oder Labuanbajo (Flughafen Komodo). Von dort aus geht es mit dem Taxi oder Mietwagen zu den Zielorten.
💰 Wie viel kostet eine Reise nach Flores ungefähr?
Die Kosten variieren stark je nach Reisezeit, Unterkunft und Aktivitäten. Für eine pauschal gebuchte zweiwöchige Tour sollte man inklusive Inlandsflüge, Unterkunft und Verpflegung mit Richtwerten ab etwa 2000 Euro pro Person rechnen.
🏨 Welche Unterkünfte sind empfehlenswert?
Neben dem Sea World Club in Maumere gibt es in Bajawa, Ende und Labuanbajo einfache bis mittlere Hotels. Luxusresorts sind selten – dafür besticht die authentische Gastfreundschaft.
🧳 Wann ist die beste Reisezeit?
Die Trockenzeit von April bis Oktober ist ideal. Besonders in den Monaten Mai bis September ist das Wetter stabil und die Wanderungen (z.B. zum Kelimutu) sind gut möglich.
🤝 Sind die Menschen auf Flores sprachlich offen?
Viele Einheimische sprechen einfaches Englisch, vor allem in touristischen Orten. Die jüngere Generation lernt Indonesisch und oft auch Deutsch in Missionsschulen – Begegnungen sind herzlich und gastfreundlich.
