Kambodscha: Ein Wochenende in Battambang
Unsere Reise beginnt in der pulsierenden Hauptstadt Kambodschas und führt uns in eine der faszinierendsten Provinzstädte des Landes – Battambang. Anders als das überlaufene Angkor bewahrt dieser Ort eine fast greifbare Authentizität. Französische Kolonialbauten, tropische Flusslandschaften und eine wachsende, aber noch intime Tourismusszene machen Battambang zu einem echten Geheimtipp für Entdecker, die das Ursprüngliche suchen.
Battambang entdecken: Kultur, Bamboo Train & Fledermausspektakel
Ein authentischer Tag zwischen Kolonialcharme, handwerklichen Traditionen und atemberaubender Natur – abseits der Massen.
In diesem Artikel erfährst du:
🚐 Die optimale Route & Fahrt von Phnom Penh nach Battambang
🏡 Insider-Einblicke in Familienbetriebe und traditionelles Handwerk
🚂 Alles zum legendären Bamboo Train – ein unvergessliches Erlebnis
🦇 Das abendliche Fledermausspektakel am Phnom Sampeou
Für wen ist dieser Artikel?
- 🌟 Reisende, die Kambodscha abseits der ausgetretenen Pfade erleben möchten
- 📸 Kultur- und Fotografiebegeisterte, die authentische Begegnungen suchen
- 🍜 Feinschmecker, die lokale Spezialitäten wie Fisch Amok lieben
- 🛺 Abenteurer, die ein Transportmittel der besonderen Art ausprobieren wollen
Start in Phnom Penh – Aufbruch in den Nordwesten
Wir starten gegen 07:00 Uhr in Phnom Penh. Unser Ziel ist Battambang, etwa 290 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt gelegen. Die Straße ist gut ausgebaut, aber man braucht doch mindestens 6 Stunden reine Fahrzeit. Unterwegs legen wir Stopps in einer Silberschmiede und einem Töpferdorf ein – erste Kontakte mit den örtlichen Bewohnern, die uns einen Eindruck von der handwerklichen Arbeit vermitteln. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte außerdem einen kurzen Abstecher nach Oudong machen, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Phnom Penh auf einem Hügel gelegen. Von hier wurden über Jahrhunderte die Staatsgeschäfte Kambodschas gelenkt. Heute sind die beeindruckenden Ruinen ein beliebtes Pilgerziel.
Am späten Nachmittag kommen wir in unserem Hotel an. Das „Au Cabaret Vert“ – Liebe auf den ersten Blick! – ist ein kleines Boutique-Hotel mit sechs Bungalows und einem Naturpool. Das offene Restaurant bietet Khmer- und französische Küche. Eine Oase der Ruhe im Herzen der alten Kolonialstadt Battambang. Zum Abendessen treffen wir unseren jungen Reiseführer, Herrn Chea, zur Programmbesprechung für den nächsten Tag. Er ist für alle unsere Sonderwünsche offen. Wir haben gleich ein gutes Gefühl und nehmen noch einen Drink im Restaurant.
Der neue Tag beginnt mit einer kurzen Fahrt zum Zentralmarkt, der in den 1930er Jahren von den Franzosen im Art-déco-Stil errichtet wurde. Gleich daneben besichtigen wir den Wat Piphit, den Haupttempel der Stadt, der aufwendig restauriert wurde. Auf dem Weg zum Tempel Phnom Ek hält unser Tuk Tuk bei einer Familie, die auf die Produktion von Reispapier spezialisiert ist. Mutter und Tochter produzieren pro Tag bis zu 2000 Reisfladen für die Zubereitung der beliebten Frühlingsrollen. Die Ruinen des Wat Phnom Ek sind beeindruckend – der Angkor-Stil ist noch deutlich erkennbar.
Familienbetriebe, Fischpaste und ein missglückter Wein
Danach besuchen wir weitere Familienbetriebe. Jetzt können wir uns eine ungefähre Vorstellung machen, wie Reisschnaps, Fischpaste und Klebreis im Bambusrohr hergestellt werden. Am Sangker-Fluss beobachten wir die zahlreichen Fischer. Schließlich halten wir kurz in einem kleinen Weingut. Die Besitzerin hat sich in Frankreich umgesehen und produziert seit einigen Jahren ihren eigenen Wein. Ganz ehrlich: Die Kostprobe ist sehr ernüchternd – unsere Kaufabsichten begraben wir schnell.
Bevor wir zum Mittagessen fahren, ein weiterer Höhepunkt: die Fahrt mit dem Bamboo Train. Wir hatten schon viel gehört, konnten uns aber keine rechte Vorstellung machen. Also, eine geniale Erfindung für den örtlichen Personen- und Gütertransport: eine Bambusplatte auf zwei Achsen mit je zwei Rädern. Darauf können vier Personen sitzen. Der Dieselmotor kann je nach Zustand der krummen Schienen bis auf 20 bis 30 km/h beschleunigen. Alles rein funktional, für den Komfort sorgt lediglich eine Bastmatte. Nach etwa 40 Minuten freut man sich dann auch wieder, am Ausgangspunkt wohlbehalten angekommen zu sein.
Mittagspause und Aufstieg zum Wat Banan
Zum Mittag gibt es wieder unser geliebtes Fisch Amok: Fisch, gekocht in Kokosmilch mit einer speziellen Gewürzmischung und frischen Kräutern. Dazu ein Bier Lao. Einfach genial! Eigentlich nicht die richtige Vorbereitung für die steilen Stufen auf den 100 Meter hohen Hügel zum Wat Banan hinauf. Von oben hat man einen fantastischen Ausblick über die tropische Bilderbuchlandschaft.
Langsam wird die Zeit knapp. Wir haben noch eine längere Fahrt über holprige Feldwege vor uns. Für die steile Auffahrt zum Phnom Sampeou (154 Meter hoch) müssen wir auf ein Auto umsteigen. Von oben hat man einen fantastischen Ausblick. Für die Besichtigung der Höhlen und Tempel haben wir nicht mehr genügend Zeit – wir wollen unbedingt den Auszug der Millionen Fledermäuse gegen 18:30 Uhr bei beginnender Dunkelheit nicht verpassen! Rechtzeitig wieder auf ebener Erde, gesellen wir uns zu den Hunderten Schaulustigen. Das Spektakel beginnt pünktlich und ist sehr beeindruckend. Minutenlang machen sich die nachtaktiven Tiere auf ihre bis zu 100 Kilometer langen Beutezüge.
Rückkehr und letzter Abend im Au Cabaret Vert
Gegen 19:00 Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Unser Tuk Tuk nimmt Fahrt auf, und die 25 Kilometer bis zum Hotel sind schneller geschafft als gedacht. Ein wunderschöner Tag findet sein Ende im Pool und mit einem „Ginger Mojito“. Wir lassen die Eindrücke Revue passieren – die handwerklichen Begegnungen, der Bamboo Train, das Fledermausspektakel. Battambang hat uns nachhaltig beeindruckt.
💡 Lokale Insider-Tipps & Wissenswertes
Insider-Tipp: Der Bamboo Train ist zwar touristisch, aber unbedingt empfehlenswert. Buche eine Fahrt frühmorgens oder am späten Nachmittag, dann sind weniger Menschen unterwegs. Verhandle den Preis vorher – für Touristen wird oft ein Aufschlag verlangt. Ein weiterer Geheimtipp: Besuche das Phnom Sampeou nicht nur zum Fledermausausflug, sondern auch tagsüber, um die Kriegshöhlen und das Killing-Caves-Mahnmal zu sehen – ein stiller, aber wichtiger Ort der Erinnerung. Kulinarisch solltest du unbedingt „Nom Banh Chok“ probieren, die typische kambodschanische Reissnudelsuppe, die in Battambang besonders gut zubereitet wird. Und zum Transport: Tuk Tuks sind die beste Wahl für kürzere Strecken, aber für die 290 km von Phnom Penh nach Battambang empfehlen wir einen Privatwagen oder einen Bus mit Klimaanlage – die Fahrt dauert etwa sechs Stunden, aber die Landschaft entschädigt für alles.
🚂 Bamboo Train
Ein einzigartiges Transportmittel auf Schienen – einfach, aber unvergesslich. Die Fahrt dauert etwa 40 Minuten und führt durch Reisfelder und Dörfer.
🦇 Fledermausspektakel
Jeden Abend gegen 18:30 Uhr verlassen Millionen Fledermäuse die Höhlen am Phnom Sampeou – ein natürliches Schauspiel, das man nicht verpassen sollte.
🍜 Kulinarische Highlights
Fisch Amok, Nom Banh Chok und frische Frühlingsrollen mit hausgemachtem Reispapier – die Küche Battambangs ist ein Fest für die Sinne.
🏡 Unterkunftstipp
Das „Au Cabaret Vert“ ist eine Oase der Ruhe mit sechs Bungalows, Naturpool und einer Mischung aus Khmer- und französischer Küche.
Zum Schluss
Battambang ist weit mehr als nur eine Etappe auf dem Weg nach Angkor. Es ist eine Stadt, die mit ihrer unaufgeregten Eleganz, ihrer handwerklichen Tradition und ihren natürlichen Wundern überzeugt. Ob der Bamboo Train, die Begegnungen mit Familienbetrieben oder das abendliche Fledermausspektakel – jeder Moment hier erzählt eine eigene Geschichte. Wer das authentische Kambodscha sucht, wird es in Battambang finden – und mit Sicherheit mit neuen Eindrücken zurückkehren.
Wie lange dauert die Fahrt von Phnom Penh nach Battambang?
Die reine Fahrzeit beträgt etwa 6 Stunden bei guter Straßenverhältnissen. Mit Stopps an Silberschmieden, Töpferdörfern oder in Oudong solltest du einen ganzen Tag einplanen.
Ist der Bamboo Train sicher?
Ja, der Bamboo Train ist grundsätzlich sicher. Die einfache Konstruktion ist auf Geschwindigkeiten um die 20–30 km/h ausgelegt. Halte dich gut fest und genieße die rasante Fahrt durch die Reisfelder.
Was ist die beste Reisezeit für Battambang?
Die Trockenzeit von November bis Februar bietet angenehme Temperaturen und wenig Regen. Aber auch in der Regenzeit (Mai–Oktober) hat die grüne Landschaft ihren ganz eigenen Reiz.
Wie kommt man am besten in Battambang herum?
Tuk Tuks sind das ideale Fortbewegungsmittel für kürzere Strecken. Für Ausflüge zu weiter entfernten Tempeln wie dem Phnom Sampeou empfiehlt sich ein Auto oder ein Mietwagen mit Fahrer.
Welche lokale Spezialität sollte man unbedingt probieren?
Fisch Amok – ein cremiges Curry aus Kokosmilch und Fisch – ist ein Muss. Auch die Reissnudelsuppe Nom Banh Chok ist in Battambang besonders authentisch. Dazu passt ein frisches Bier Lao.
Dr. Bernd Jordan
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