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Slowcity in Korea – Das fünfte Ziel : Agyang-myeon in Hadong-gun

Im Süden Koreas, eingebettet zwischen den Ausläufern des Jirisan-Gebirges und dem mächtigen Seomjingang, liegt die bezaubernde Region Hadong. Längst hat sich dieser Idyll zu einem beliebten Reiseziel für jene entwickelt, die fernab des Trubels von Seoul die authentische Seele Koreas, seine kulinarischen Schätze und seine inspirierende Stille suchen. Hadong ist das fünfte koreanische Slowcity und zugleich ein Ort, an dem Literatur auf Teekunst trifft.

Hadong: Königstee, wilde Natur & die Stille des Jirisan

Tauchen Sie ein in die Welt des seltenen Wildtees, erleben Sie die Aura des Ssanggyesa-Tempels und lassen Sie sich von den Aromen der Daebong-Khakifrüchte verführen. Ein Reisebericht über eine koreanische Region, die man nicht vergisst.

In diesem Artikel erfährst du:
🍃 Warum Hadong als Heimat des koreanischen Königstees gilt
🏯 Was den Ssanggyesa-Tempel zu einem der schönsten des Landes macht
🍊 Wie die berühmten Gotgam (getrocknete Khakis) entstehen
🚌 Wie du mit Bus oder Zug bequem nach Hadong gelangst

Für wen ist dieser Artikel?

  • 🌿 Reisende, die abseits der Touristenpfade die stille Schönheit Südkoreas entdecken möchten
  • ☕ Tee-Liebhaber, die sich für seltene, handgepflückte Wildtees und traditionelle Anbaumethoden interessieren
  • 🏛️ Kulturinteressierte, die Tempelarchitektur und literarische Schauplätze der Joseon-Dynastie hautnah erleben wollen
  • 🍇 Feinschmecker, die regionale Spezialitäten wie die Daebong-Khakifrüchte verkosten möchten

Hadong ist in ganz Korea für seinen einzigartigen Wildtee bekannt – eine Rarität, die bereits vor über 1300 Jahren zum ersten Mal an den Hängen des Jirisan angebaut wurde. In vergangenen Jahrhunderten war dieser Tee allein dem König vorbehalten. Bis heute trägt er daher im Volksmund den Namen „Königstee“. Als erstes Teeanbaugebiet, das sich der Slowcity-Bewegung anschloss, wurde der Wildtee zudem von der internationalen Gemeinschaft der Cittaslow-Mitglieder als regionale Spezialität anerkannt. Doch nicht nur der Tee gedeiht hier besonders naturnah: Auch Gemüse- und Obstsorten wachsen in der unvergleichlichen Mischung aus reiner Bergluft und dem mineralreichen Wasser des Seomjingang auf bemerkenswerte Weise.

Blick auf die Teefelder von Hadong am Hang des Jirisan

Wo Literatur die Landschaft prägt
Die Lage Hadongs ist von atemberaubender Schönheit: Vorne fließt der mächtige Seomjingang, hinten erstrecken sich die Ausläufer des Jirisan-Gebirges – eine Szenerie wie geschaffen für einen Roman. Genau das dachte sich wohl auch die Grande Dame der koreanischen Literatur, Park Gyeong-ni, deren standardsetzendes Epos „Toji“ – eine Art koreanische Buddenbrooks – genau hier spielt. Um die ganze Würde des Ortes zu erfassen, sollte man sich viel Zeit nehmen. Ein Spaziergang entlang des Flusses oder eine Wanderung durch die Teefelder lässt die Erzählungen der Schriftstellerin lebendig werden.

Hadong gilt zudem als Heimat der Daebong-Khakifrüchte. Bereits seit Beginn der Joseon-Dynastie wurden diese Früchte aufgrund ihres herausragenden Geschmacks und ihrer intensiven Farbe an den Königshof geliefert. Es ist die Kombination aus dem reinen Wasser des Seomjingang, der frischen Bergluft, dem Nährstoffreichtum der Erde und den großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, die die Khakis hier so unvergleichlich süß und aromatisch macht. Wer einmal die hiesigen Gotgam (getrocknete Khakis) probiert hat, wird den Geschmack schwerlich vergessen – süß, groß, nahrhaft und voller Sonne. Jährlich lockt vor allem das Khaki-Festival im November zahlreiche Besucher nach Hadong, um diese Köstlichkeit zu feiern.

Handverlesener Wildtee aus den Jirisan-Bergen, Hadong

Wildtee – Handarbeit vom Feinsten
Anstatt einfach „Grüner Tee“ zu sagen, müsste man hier genauer „Wildtee“ sagen. Der Unterschied liegt im Anbau: Der Tee wächst an den Hängen des Jirisan in völlig unberührter Umgebung. Es werden keinerlei Pestizide, Herbizide oder chemische Mittel eingesetzt – jedes Blatt wird von Hand gezupft. Der so gewonnene Tee ist eine wahre Gesundheitsbombe: Koffein, Tanin, Aminosäuren, Mineralstoffe, Vitamine und anorganische Stoffe – all das steckt in den aromatischen Blättern. Koreaner wissen längst, dass Grüner Tee die Konzentration fördert, und trinken ihn regelmäßig. Zwar stellt sich der Effekt für die geistige Leistungsfähigkeit erst nach längerer Zeit ein, doch Müdigkeit und Schlappheit sind sofort nach dem Genuss vertrieben.

💡 Lokale Insider-Tipps & Wissenswertes

Insider-Tipp: Planen Sie Ihren Besuch der Teefelder von Maeam am frühen Morgen. Dann ist die Luft am klarsten und die Stille am tiefsten. Im „Unbemannten Teeladen“ können Sie für eine einheitliche Gebühr von 2.000 Won (ca. 1,50 Euro) Ihren Tee selbst kochen – ganz ohne Verkaufsdruck. Ein wunderbarer Moment der Achtsamkeit. Übrigens: In Korea ist es üblich, den Tee in mehreren kurzen Zügen zu trinken und dabei die Aromen zu erspüren. Vermeiden Sie laute Gespräche am Teetisch – hier zählt die Ruhe. Wer den Tempel Ssanggyesa besucht, sollte unbedingt die kleinen Brücken zwischen den Tempelabschnitten überqueren; sie sind Teil der harmonischen Feng-Shui-Architektur und bieten stille Ausblicke auf die Bäche.

Der historische Ssanggyesa-Tempel ist ein weiteres Juwel der Region. Ursprünglich im Jahr 723 gegründet, wurde er während der japanischen Invasion Ende des 16. Jahrhunderts zerstört. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1632 und wurde von der koreanischen Regierung als historischer Schatz Nr. 500 registriert. An seiner Architektur lässt sich der Stil der mittleren Joseon-Dynastie studieren, aber man darf auch einfach die harmonische Bauweise auf sich wirken lassen. Zwischen den einzelnen Abschnitten des Tempels fließen kleine Bäche, und die Gebäude fügen sich so natürlich in die Topografie des Ortes ein, dass Experten den Ssanggyesa zu den schönsten Tempeln Koreas zählen.

Im Grenzgebiet der beiden Provinzen Jeollanam-do und Gyeongsangbuk-do liegt der historisch bedeutende Ort Hwagae. Einst einer der fünf bedeutendsten Märkte des Landes, ist er heute eher ein beschauliches Provinznest. Nach einer umfassenden Neugestaltung wurde versucht, die traditionelle Marktatmosphäre wiederzubeleben – mit Kopfsteinpflastergassen, kleinen Teestuben und Ständen mit lokalen Produkten. Ein Bummel durch Hwagae am späten Nachmittag ist eine Reise in die Vergangenheit.

Teefelder von Maeam mit Khakibäumen als Schattenspender, Hadong

Am Gemeindebüro von Akyang liegen die Teefelder von Maeam, wo seit 1963 großflächig Tee angebaut und verkauft wird. Inzwischen bewirtschaftet bereits die dritte Generation die Felder, die wie ein großer Park angelegt sind. Auf mehr als 20.000 Quadratmetern wird Tee kultiviert. Besonders ins Auge fallen die Khakibäume, die überall zwischendurch gepflanzt wurden, um mit ihrem Schatten die empfindlichen Grünteepflänzchen vor der Sonne zu schützen. Für Besucher gibt es immer wieder kleine Events wie Konzerte inmitten der Teefelder. Der bereits erwähnte „Unbemannte Teeladen“ erlaubt es jedem Gast, für eine freiwillige Gebühr seinen eigenen Tee zuzubereiten – die Erlöse kommen der Nachbarschaftshilfe zugute. Ebenso sehenswert ist das Teemuseum in einem alten Anwesen aus der Kolonialzeit, in dem an die 100 Teeschalen aus verschiedenen Epochen ausgestellt sind.

🍃 Wildtee aus dem Jirisan

Handgepflückt, ohne Chemie – seit über 1300 Jahren kultiviert. Jede Ernte ist eine Seltenheit.

🏯 Ssanggyesa-Tempel

Historischer Schatz Nr. 500 – ein Meisterwerk der Joseon-Architektur mit fließenden Bächen.

🍊 Daebong-Khakifrüchte & Gotgam

Seit der Joseon-Dynastie an den Königshof geliefert – das Khaki-Festival im November ist ein Höhepunkt.

🚌 Anreise ab Seoul

Bequem mit dem Bus (ca. 4,5 Std.) oder dem Zug (ca. 7,5 Std.) – beide Optionen sind gut ausgeschildert.

Der Weg nach Hadong

Mit dem Zug
Ab Hauptbahnhof Seoul (10:05 Uhr, 1× täglich, Dauer ca. 7 Std. 40 Min., Fahrpreis Richtwert 33.700 Won) – Vom Bahnhof Hadong mit dem Bus nach Akyang.

Mit dem Bus
Vom Seoul Nambu Terminal (Abfahrten: 07:30, 09:30, 11:30, 13:30, 15:30, 17:30, 19:30 und 19:40 Uhr, ca. 8× täglich, Dauer ca. 4 Std. 30 Min., Fahrpreis Richtwert 26.200 Won) – Vom Bus Terminal Hadong mit dem Bus nach Akyang.

Weitere Informationen auf der Webseite der Koreanischen Zentrale für Tourismus:
www.goasia.de/visitkorea.or.kr
www.goasia.de/german.visitkorea.or.kr

Zum Schluss

Hadong ist mehr als eine Reise – es ist eine Begegnung mit der Zeit. Hier, wo die Teeblätter noch von Hand gezupft werden, wo Tempelruhe den Alltag durchdringt und der Geschmack einer Khakifrucht an die Jahrhunderte erinnert, findet man das Korea, das in rasenden Städten längst verloren gegangen zu sein scheint. Ein Ort der Stille und des Genusses – für alle, die das Echte suchen.

Wann ist die beste Reisezeit für Hadong?

Die beste Reisezeit ist der Herbst (Oktober/November), wenn die Khakifrüchte reif sind und das berühmte Festival stattfindet. Auch das Frühjahr (April/Mai) mit milden Temperaturen und frischem Tee ist wunderbar.

Kann man den Tee direkt vor Ort kaufen?

Ja, im „Unbemannten Teeladen“ in Maeam sowie auf dem Hwagae-Markt und in vielen kleinen Läden in Akyang. Der Wildtee aus Hadong ist ein begehrtes Mitbringsel.

Ist Hadong auch ohne Auto erreichbar?

Ja, mit dem Bus oder Zug ab Seoul. Vor Ort empfiehlt es sich, lokale Busse oder Taxis zu nutzen, um zu den Teefeldern und zum Tempel zu gelangen.

Was sollte man bei einem Tempelbesuch beachten?

Leise und respektvoll verhalten, angemessene Kleidung (Schultern und Knie bedeckt), Schuhe vor den Gebäuden ausziehen. Fotografieren ist meist erlaubt, aber ohne Blitz.

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