Deutschsprachiger Verein ‚Teetrinker‘ in Seoul – Ein behilfliches Informationszentrum für Deutsche in Korea
In Seoul, einer Stadt, die niemals stillsteht, gibt es einen Ort der Begegnung, der weit über das Übliche hinausgeht. Hier treffen sich Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zur deutschen Sprache und Kultur teilen – nicht in einem sterilen Klassenzimmer, sondern bei einer Tasse Tee oder Kaffee, mit Herz und Humor.
Teetrinker in Seoul: Deutsche Konversation, Kultur & Gemeinschaft
Ein einzigartiger Sprachtreff, der deutsche Besucher und koreanische Deutschliebhaber jeden Samstag in einem gemütlichen Café vereint.
In diesem Artikel erfährst du:
☕ Wie der Teetrinker-Kreis entstanden ist
🤝 Welche Rolle er für Mitglieder und Besucher spielt
🗣️ Wie du als Deutscher selbst teilnehmen kannst
🇰🇷 Insider-Tipps zur koreanischen Gastfreundschaft
Für wen ist dieser Artikel?
- 🇩🇪 Deutsche, die Seoul besuchen und echte Begegnungen suchen
- 🇰🇷 Koreaner, die ihr Deutsch verbessern und Gleichgesinnte treffen möchten
- 🌏 Reisende mit Interesse an interkulturellem Austausch und lokalen Geheimtipps
- 🎓 Studierende und Berufstätige, die in Korea leben oder einen Aufenthalt planen
Jeden Samstag um 15:20 Uhr versammeln sich Koreaner und Deutsche im Café „Bagel Street“ in der Nähe der U-Bahn-Station Euljiro 3-ga in Seoul. Man begrüßt sich auf Deutsch, scherzt miteinander und diskutiert über Themen wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Reisen und Sport. Dabei werden aktuelle Artikel aus renommierten Quellen wie der Deutschen Welle, dem Spiegel Online oder dem FOCUS Online besprochen. Schon lange vor diesem Treff gab es in Korea zahlreiche Deutschlerngruppen, doch nur ein einziger Deutschredeverein existiert heute noch: der „Teetrinker“.
Die Entstehungsgeschichte des Teetrinkers
Der Verein wurde von Junsu Kang gegründet, der als erster Teamleiter eine deutschsprachige Runde ins Leben rief, bei der ohne starren Lehrplan einfach und ungezwungen Konversation geübt wird. Damals war er selbst Mitglied der Lerngruppe „Der kleine Nick“ im Stadtteil Shinchon. Doch weil er mehr mündliche Praxis brauchte, eröffnete er auf der koreanischen Plattform „Cyworld“ einen Club und verabredete sich mit Freunden zu regelmäßigen Samstagstreffen in einem Café. Anfangs bestand die Runde hauptsächlich aus Studenten, die auch am Wochenende eingespannt waren, sodass der Kreis für etwa zwei Monate pausieren musste. Doch diese Krise wurde erfolgreich überwunden: Der damals 27-jährige Leiter warb neue Mitglieder aus ganz Seoul an und vergrößerte die Gruppe auf rund 20 Personen. Als besonderes Highlight wurde ein „Stammtisch-Treffen“ eingeführt, das jeden vierten Samstag im Monat stattfindet und kulturelle Ausflüge umfasst.
Die koreanischen Mitglieder des „Teetrinkers“ zeigen Besuchern aus Deutschland die Sehenswürdigkeiten Seouls, präsentieren die koreanische Küche oder erzählen von traditionellen Festen – stets auf eine persönliche, humorvolle Art. So ist der Teetrinker für deutsche Gäste zu einem persönlichen Kulturratgeber und einem echten Geheimtipp geworden.
Marianne Beyer, Mitglied der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Seoul, schwärmt: „Teetrinker – ein wunderbares Treffen mit jungen Koreanern, die fast alle sehr gut Deutsch sprechen, die Deutschland und die deutsche Sprache lieben. Jeden Samstag in einem kleinen Café in Seoul, im fernöstlichen Korea, sprechen wir über interessante Themen, diskutieren über Korea und Deutschland. Seitdem ich komme, haben wir schon über Fast- und Slow-Food in Deutschland, über Lernen und Disziplin in der Schule in Korea und in Deutschland, über Second-Hand-Läden und vieles mehr diskutiert. Wir haben uns zusammen deutsche Filme angesehen, und immer lernen wir alle etwas Neues über unsere beiden Länder. Die jungen Koreaner sind offen für die unterschiedlichen Vorstellungen Deutscher, wir sind offen für koreanische Meinungen, und jedesmal gehen wir alle bereichert und glücklich nach Hause. Ein deutscher Besucher sollte sich überlegen, ob er nicht einmal einen anderen Einblick in das moderne Korea gewinnen möchte und ob er Lust hätte, an unserem Treffen teilzunehmen – Gäste sind herzlich willkommen.“
Stimmen aus der Gemeinschaft
Diana Schüler, ehemalige Praktikantin bei der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer, erzählt: „Als mein Freund Youngwoo mich das erste Mal zu den Teetrinkern mitgenommen hat, wusste ich nicht, was mich erwartet. Doch vom ersten Treffen an konnte ich merken, mit wieviel Ehrgeiz, Elan und Spaß die Koreaner Deutsch lernen und sich dabei gegenseitig helfen. Ich war auch überrascht, wie gut die Deutschkenntnisse der (meist) Studenten sind, da ich erst in Korea gemerkt habe, dass meine Muttersprache nicht gerade zu den einfachsten zählt. Daher macht es mir sehr viel Spaß, auch wenn ich nicht jeden Samstag Zeit habe, zu den Treffen zu kommen, und meinen Beitrag zu leisten, sei es über die Sprache, die Kultur oder die Gesellschaft in Deutschland. Denn jede Woche wird ein neuer, interessanter, deutscher Text in der Gruppe diskutiert. Jedes Teetrinkersmitglied hat einen persönlichen Bezug zu Deutschland oder zu der deutschen Sprache, was mich ein bisschen stolz macht. Stolz bin ich aber auch auf die Teetrinker, denn die Mitglieder sind mit dem Herzen dabei und lernen mit Spaß und Freude erfolgreich Deutsch! Danke, dass ich an den Treffen teilnehmen darf, denn auch ich kann immer wieder was Neues lernen über Korea und meine Muttersprache!“
Aischa Abdul, die eigens aus Deutschland zum „Asia Song Festival“ anreiste, berichtet: „Am 17. September waren wir beim Treff des Teetrinkers dabei – ein sehr schönes und interessantes Treffen mit netten Leuten! Wir sind bei der kommenden Versammlung wieder dabei! Sehr nett von Herrn Kang, dass wir dank ihm die Bekanntschaften mit solchen lieben Menschen machen konnten! Gomapseumnida!!!!!!!! (Vielen Daaaaaaaaaaank!!!)“
Viele koreanische Mitglieder des „Teetrinkers“ empfinden große Zuneigung zu Deutschland. Sie haben Fächer wie Germanistik, Musik oder Kunst an koreanischen Universitäten studiert. Einige von ihnen haben bereits einen Studienaufenthalt oder ein Austauschprogramm in Deutschland absolviert und Deutschland fest in ihrem weiteren Leben – sei es Studium oder Beruf – eingeplant. Obwohl ihr Alltag in Korea oft sehr voll ist, beteiligen sie sich fleißig an den Treffen und lassen ihre Sehnsucht nach Deutschland im „Teetrinker“ lebendig werden. Für viele ist dieser Verein ein Schatz und Deutschland ein Traumland. Immer wieder betonen sie, wie glücklich sie die Gespräche auf Deutsch machen. Sie möchten ihre Leidenschaft für Deutschland und den Traum, eines Tages wieder dorthin zu reisen, mit ihren Zukunftsplänen verbinden.
Sejung Kwak, Vizeteamleiterin des Teetrinkers, erzählt: „Vor zwei Jahren habe ich in Berlin als Austauschstudentin gelebt und vermisse diese Zeit immer noch. Weil ich früher keine Erfahrung im Ausland hatte, waren Deutschland und das Leben darin für mich ganz besonders. Mir hat in Deutschland alles gefallen: die Atmosphäre, die Menschen, das Essen, sogar das Wetter. Nachdem ich nach Korea zurückgekehrt bin, habe ich nach einem deutschsprachigen Klub gesucht, weil ich meine Deutschkenntnisse nicht so schnell vergessen wollte. Da habe ich den Verein „Teetrinker“ gefunden und darf glücklicherweise daran teilnehmen. Alle, die an unserem Verein teilnehmen, haben eigene Erinnerungen an Deutschland oder Leidenschaft für Deutsch. Wenn ich mich mit diesen Menschen auf Deutsch unterhalte, fühle ich für Deutschland manchmal so etwas wie Heimweh.“
Dugeon Shin, Mitglied des Teetrinkers, sagt: „Der Kreis ‚Teetrinker‘ hat eine große Bedeutung für mich. Der Wert dieser Versammlung ist sehr groß. Mitglieder bereiten sich auf die Versammlung sehr ernst vor, weil sie ihr Deutschkenntnisniveau behalten und weiterhin erhöhen möchten. Wenn jemand mich danach fragt, was Deutschland für mich bedeutet, würde ich sagen: ‚Deutschland ist meine zweite Heimat‘. Deutschland, das ich erlebt habe, war ein Land, wo man sich sicher und gemütlich fühlt.“
Wonki Lee, ebenfalls Mitglied, berichtet: „Jetzt wohne ich in Deutschland zur Vorbereitung auf ein Studium des Brauwesens. Obwohl ich jetzt hier bin, war es für mich schwierig, als ich noch in Korea war, mich für ein Studium in Deutschland zu entscheiden. Allerdings hat mir der Teetrinker geholfen. Es ist der einzige Verein, wo man beim Tee- oder Kaffeetrinken gemütlich auf Deutsch reden kann und sich zugleich mit guten Menschen treffen kann. Außerdem konnte ich dadurch meine Leidenschaft für Deutschland erhalten, deshalb vermisse ich den Teetrinker sehr oft. Und ich würde diesen Verein allen Deutschen, die nach Korea fliegen wollen, gerne empfehlen.“
Youngwoo Lim, der zweite Teamleiter des Teetrinkers, lädt ein: „Jemand, der Deutsch spricht und gute Laune hat, ist immer herzlich eingeladen! Planen Sie, nach Korea zu fliegen? Dann kontaktieren Sie uns auf jeden Fall. Wir sind sehr an Deutschland, der deutschen Sprache und vor allem an Deutschen interessiert. Mit uns können Sie ein interkulturelles Erlebnis haben und einfach gut Zeit verbringen. Wir freuen uns immer, Sie bei unseren Treffen zu sehen.“
💡 Lokale Insider-Tipps & Wissenswertes
Insider-Tipp: In Korea ist es üblich, beim Betreten eines Cafés oder Restaurants freundlich zu grüßen – ein kurzes „Annyeonghaseyo“ öffnet Türen und Herzen. Wer am Teetrinker-Treffen teilnimmt, sollte auch bereit sein, landestypische Höflichkeitsfloskeln zu verwenden: Ein respektvolles „Kamsahamnida“ (Danke) oder „Jal meokgesseumnida“ (Ich werde gut essen) wird sehr geschätzt. Übrigens: Die koreanische Küche ist viel mehr als Kimchi und Bulgogi – probieren Sie unbedingt Samgyeopsal (gegrillter Schweinebauch) in Begleitung von Soju oder Makgeolli. Ein weiterer Geheimtipp: Besuchen Sie das Bukchon Hanok Village in Seoul, um einen authentischen Eindruck von traditioneller koreanischer Architektur zu bekommen. Und wer das Nachtleben liebt, sollte sich in das Hongdae-Viertel begeben – dort pulsiert die junge Szene mit unzähligen kleinen Clubs und Live-Musik-Lokalen. Übrigens: In Korea wird Trinkgeld nicht erwartet – die Servicekultur ist so ausgeprägt, dass Extrazahlungen eher als ungewöhnlich gelten.
☕ Treffpunkt & Zeit
Jeden Samstag um 15:20 Uhr im Café „Bagel Street“ nahe der U-Bahn-Station Euljiro 3-ga in Seoul. Gäste sind jederzeit willkommen.
🗣️ Sprache & Niveau
Es wird ausschließlich Deutsch gesprochen – von Anfängern bis Fortgeschrittenen. Die Atmosphäre ist entspannt und wertschätzend.
🌏 Kulturelle Ausflüge
Am vierten Samstag des Monats finden Stammtisch-Treffen mit Sehenswürdigkeiten, koreanischer Küche und Festen statt.
📞 Kontakt & Infos
Koreanische Zentrale für Tourismus, Frankfurt Office: www.goasia.de/visitkorea.or.kr, Tel. +49 69 23 32 26, Fax +49 69 25 35 19.
Zum Schluss
Der Teetrinker ist weit mehr als ein einfacher Sprachtreff – er ist eine herzliche Gemeinschaft, die Brücken zwischen Korea und Deutschland baut. In einer Zeit, in der echte Begegnungen immer wertvoller werden, bietet dieser Kreis eine einzigartige Gelegenheit, Land und Leute jenseits der ausgetretenen Pfade kennenzulernen. Wer Seoul besucht und Lust auf inspirierende Gespräche bei einer Tasse Tee hat, ist jederzeit eingeladen, vorbeizuschauen und Teil dieser besonderen Runde zu werden. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam wachsen, gemeinsam lachen – auf Deutsch.
Kann ich als absoluter Anfänger am Teetrinker teilnehmen?
Ja, grundsätzlich sind alle Niveaustufen willkommen. Die Atmosphäre ist entspannt und unterstützend. Es wird aber erwartet, dass man zumindest grundlegende Deutschkenntnisse mitbringt, um dem Gespräch folgen zu können. Die Mitglieder helfen sich gegenseitig und gehen auf verschiedene Sprachniveaus ein.
Muss ich mich vorher anmelden?
Eine Anmeldung ist nicht zwingend erforderlich, aber es wird empfohlen, vorab über die angegebene Webseite oder den Kontakt zum Teamleiter Bescheid zu geben, damit die Gruppe planen kann. Gäste sind herzlich willkommen – ein kurzer Hinweis genügt.
Welche Kosten entstehen bei einem Treffen?
Die Teilnahme am Treffen selbst ist kostenlos. Lediglich die eigenen Getränke und Speisen im Café müssen bezahlt werden. Das Café „Bagel Street“ bietet eine gemütliche Atmosphäre zu moderaten Preisen.
Gibt es auch virtuelle Treffen?
Der Fokus des Teetrinkers liegt auf persönlichen Begegnungen vor Ort. Es gibt keine regelmäßigen Online-Treffen. Wer nicht in Seoul ist, kann aber über die Kontaktseite trotzdem in Verbindung treten und vielleicht bei einem späteren Besuch vorbeischauen.
Kann ich auch als Koreaner teilnehmen, der Deutsch lernt?
Selbstverständlich! Genau dafür wurde der Teetrinker gegründet. Koreanische Mitglieder sind das Herz der Runde. Sie üben Deutsch, tauschen sich aus und knüpfen Freundschaften – sei es in Vorbereitung auf ein Studium in Deutschland oder aus reiner Leidenschaft für die Sprache.
